Zur Ostsee       (661,3 km)



In diesem Jahr habe ich mir ein besonderes Geburtstagsgeschenk bereitet ... vom 22. bis 28.04.2019 wollte ich von Hoppegarten nach Warnemünde und dann nach Kamminke radeln. Von dort war die 
Überfahrt nach Ueckermünde vorgesehen, um dann über den Oder-Radweg und Wriezen nach Hause zu fahren. Geplant waren  850 km
in sieben Tagen.

Von Hoppegarten gings nach Bernau zum "Bln-Usdm-Radweg" und dann über den "Oder-Havel-Radweg" nach Liebenwalde - entlang des Finowkanals. Ab Liebenwalde bis Rostock nutzte ich dann den "Bln-Koppenhagen-Radweg" - mit Übernachtungen in Strasen und Krakow am See.

Teilweise waren die Wege in MV nicht gerade optimal.

Güstrow, Schloss


1 - Bereits 1609 wurde der Finowkanal als Wasserstraße zwischen Havel und Oder mit 11 Schleusen in Betrieb genommen. Nach der Eröffnung des Oder-Havel-Kanals wurde dann die Schleuse in Zerpenschleuse 1924/25 zugeschütten. 2015/16 ist sie wieder neu erbaut worden und der "lange Trödel" des Finowkanals wieder beschiffbar.


Zerpenschleuse 2005 noch zugeschüttet - alter Standort Bank (rechts)

Zerpenschleuse ab 2016 im neuen Glanz




2 - Bei Zehdenick entstand am Ende des vorletzten Jahrhunderts ein Ziegelleipark, in dem der Ton für die Milliarden von Ziegeln abgebaut wurde, die das gewaltige Wachstum von Berlin am Ende des vorletzten Jahrhunderts ermöglichten. 1910 stellten hier 57 Ringöfen insgesamt über 600 Millionen Mauerziegel her. Der Transport erfolgte über Wasserstraßen (Voßkanal, Malzer Kanal, Havel).
3 - Das Schloss in Güstrow wurde ab 1558 erbaut und war 1628/29 Residenz Wallensteins.
4 - Bützow war von 1760 bis 1789 Sitz eines Teils der Rostocker Universität - vom Balkon des neugotischen Rathauses proklamierten Rostocker Studenten jedes Jahr in einer Ulkveranstaltung feierlich den"Kaiser von Bützow"
5 - Schwaan war einst als Spargelstadt berühmt und Sitz der größten Fischreucherei Mecklenburgs.

 

In Warnemünde setzte ich mit der Fähre zur "Hohen Düne" über und radelte dann auf dem "Ostsee-Küsten-Radweg" nach Markgrafenheide und ab hier über unbefestigte Waldwege durch ein ausgedehntes Waldgebiet bis Graal Müritz.

6 - Die Mole von Warnemünde war bereits 1899 Promenade für Badegäste - der Strandkorb wurde 1882 von Wilhelm Bartelsmann aus Rostock erfunden.

7 - Die Orte Graal und Müritz schlossen sich 1938 zusammen.



Ab Stralsund bis Mesekenhagen - ca. 20 km Kopfsteinpflaster!



Von Graal Müritz ging es über Darß, Barth und Stralsund nach Mesekenhagen (bei Greifswald). Ab der Stadtgrenze von Stralsund bis Mesekenhagen waren ca. 20 km Kopfsteinpflaster zu bewältigen - es war eine Qual.

Die ersten vier Tage verliefen wie geplant - die Radtour, die Unterkünfte, das Essen, die Leute - alles passte. Nur der recht starke Ost-Wind war schon unangenehm. Recht überrascht hat mich, dass ich am 2. Tag 920 Höhen-Meter überwinden musste.








8 - Noch im 14. Jahrhundert war das Fischland südlich von Wustrow durch den "Permin" vom Festland getrennt. Dieser beschiffbare Recknitz-Mündungsarm wurde 1394 durch die Hanse zugeschüttet, um dem Konkurrenten Ribnitz den Zugang zur Ostsee zu erschweren.



Die eingeplanten Fähren von Freest nach Peenemünde und von Kamminke nach Ueckermünde sind nicht gefahren. So musste ich über Wolgast einen Umweg auf die Insel Usedom in Kauf nehmen. Noch kritischer war der Ausfall der Fähre  nach Uekermünde. Am 5. Tag haben sich dann auch noch starke Schmerzen im Sattelbereich eingestellt, so dass ich mit Müh und Not Kamminke erreichte.

9 - Zwischen Zempin und Koserow ließ sich 1932 der Maler Otto Niemeyer-Holstein nieder, der einen ausrangierten Gepäckwagen der Berliner S-Bahn als neue Wohnung nutzte. In den folgenden Jahren wurde das Domizil durch Anbauten und Gärten erweitert - heute der Öffentlichkeit zugänglich.


10 - Der Golm (bei Kamminke) ist die höchste Erhebung der Insel Usedom (69m). Im Zweiten Weltkrieg wurden nach dem Luftangriff auf das nahegelegene Swinemünde vom 12. März 1945 zwischen 6.000 und 14.000 Opfer in Massengräbern auf dem Golm bestattet.

11 - Die ehemalige Eisenbahnhubbrücke in Karnin war zum Zeitpunkt ihrer Einweihung 1934 die modernste Eisenbahnhubbrücke Europas. Ihre einfache wie auch geniale Konstruktion ist eine ingenieurtechnische Meisterleistung. Als Bindeglied zwischen dem Festland und der Insel Usdeom wurde sie auf den Fundamenten der Drehbrücke von 1876 errichtet. Über die Eisenbahnhubbrücke führte die kürzeste Bahnverbindung von Berlin nach Swinemünde. Die Brücke war zweigleisig ausgelegt und für eine Geschwindigkeit von 100 km/h zugelassen. Am 28. April 1945 wurden die Fundamente und Überbauten der Karniner Eisenbahnbrücke von der Wehrmacht gesprengt.




 

Am nächsten Tag bis Anklam musste ich mich mit meiner Schwellung ganz schön quälen (eigentlich nur 50 km), um dort schließlich in den Zug zu steigen - natürlich Schienenersatzverkehr, 5x umsteigen.

Es war trotzdem eine tolle und sehr abwechslungsreiche Tour, die ich jeder Zeit wieder unternehmen würde. Wald- und Wiesengebiete, weite blühende Rapsfelder, Ostseeküste, Boddenlandschaften, Schifferorte mit alten reetgedeckten Kapitänshäuser und Ostseebäder wechselten sich ab und boten wunderbare Eindrücke.

In MV sind recht häufig mit Schotter befestigte Naturwegen zu bewältigen, die sicherlich für regionale Spazierfahrten ausreichen, aber für Ferntouren mit voll aufgepumpten Reifen und Gepäck sehr beschwerlich sind.





Datum Start Ziel Strecke [lm] Bemerkungen
22.04.2019 Hoppegarten Strasen 134,9  
23.04.2019 Strasen Krakow am See 130,9  
24.04.2019 Krakow am See Graal Müritz 110,2 Fähre Warnemünde - Hohe Düne
25.04.2019 Graal Müritz Mesekenhagen 129,2  
26.04.2019 Mesekenhagen Kamminke 107,3  
27.04.2019 Kamminke Anklam 48,8 Per Bahn nach Hause
       661,3  


Streckenverlauf :




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